Jetzt geht's um die Wurst!

Was juristisch beim Grillen zu beachten ist!

Die Tage werden länger und das Wetter immer besser - beste Voraussetzungen zum Grillen. Grillen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen im Frühjahr und Sommer.

Doch darf man dies überall und jederzeit? Wie sieht es aus, wenn ich in einem Mietshaus wohne? Lieber Gas- oder doch Holzkohle-Grill?

Zum Start in die Grillsaison erklären wir Ihnen alles Wichtige rund ums Grillen.

Grundsatz: Es darf gegrillt werden
Für die Sommermonate ist das Grillen eine übliche Tätigkeit in den Abendstunden und muss deshalb auch von Nachbarn hingenommen werden. Wer sich tatsächlich gestört fühlt, muss dies stichhaltig beweisen. Es kann erst zu einem Verbot kommen, wenn die Störungen, die durch das Grillen entstehen, wesentlich sind - also durch Rauch, Ruß und Wärme wesentliche Beeinträchtigungen auftreten (LG München - I 15 S 22735/03).

Wie oft darf gegrillt werden?
Wer in einem Miets- oder Mehrfamilienhaus lebt und auf seinem Balkon oder seiner Terrasse grillt, darf nicht so oft grillen, wie es ihm lieb ist. Die Gerichte sind sich über die genaue Häufigkeit sehr uneinig und weichen stark von einander ab, sodass ein gesundes Mittelmaß gefunden werden muss.

Das AG Bonn entschied 1997 (Az. 6 C 545/96), dass in den Monaten April bis September einmal pro Monat gegrillt werden darf, sofern die Nachbarn 48 Stunden vorher darüber informiert wurden.

Das AG Berlin-Schöneberg (3 C 545/96) ist dabei einer sehr großzügigeren Auffassung und legte eine Obergrenze von 20- bis 25-mal pro Jahr fest. Dabei sollte eine Grillsession nicht länger als zwei Stunden dauern und nicht über 21 Uhr hinausgehen.

Wer auch einmal nach 22 Uhr grillen möchte, darf dies nur viermal im Jahr und dann bis spätestens 24 Uhr - danach muss der Grill leider aus (OLG Oldenburg - 13 U 53/02).

Das Bayerische OLG (2 ZBR 6/99) geht einen ganz anderen Weg und verbannt den Griller in die äußerste Ecke des Gartens, sodass die Nachbarn nicht gestört werden. Dabei wird über die Größe des Gartens und die Häufigkeit jedoch nichts ausgesagt.

Unser Rat: Übertreiben Sie es nicht. Haben Sie ein eigenes Grundstück mit Garten und ausreichend Abstand zu den Wohn- und Schlafräumen des Nachbarn, so kann man durchaus davon ausgehen, dass Nachbarn das Grillen einmal pro Woche zuzumuten ist. Gemeinsame Grillabende verbessert das Nachbarschaftsklima und beugt Streit obendrein vor.
Im Mietshaus sollte man sich gemeinsam einigen und auf die Vorgaben des Vermieters achten, denn dieser hat das Recht das Grillen komplett zu verbieten. Hier empfiehlt sich, miteinander zu reden und gemeinsam eine Obergrenze zu vereinbaren - einmal im Monat ist jedoch ohne weiteres zulässig. Ist es in der Hausordnung verboten, so sollte man sich darüber nicht hinweg setzen.

Elektro-, Gas- oder Holzkohlengrill?
Es ist unstreitig, dass man mit einem Elektrogrill die wenigsten Probleme haben wird, weil es hier zu keiner Rauch- sondern lediglich zu einer Geruchsentwicklung kommen wird. Bei einer Geruchsbelästigung orientieren sich Gerichte zumeist an der Geruchsentwicklung einer Küche mit geöffneten Fenster, sodass der bloße Geruch des Grillguts kein Beschwerdegrund für Nachbarn ist.
Beim Rauch des Holzkohle- oder Gasgrills sieht es dagegen anders aus. Hier können die Nachbarn, sollte dies regelmäßig und in konzentrierter Weise in die Wohnräume ziehen, sich beschweren und sich auf das Immissionsschutzgesetz des Landes beziehen.

Kommt es zu einer starken Rauchentwicklung ist das Grillen sofort abzubrechen (OLG Düsseldorf - 5 Ss (OWi) 149/95). Wer trotzdem unverdrossen weitergrillt muss mit einem Bußgeld rechnen.

Richterliche Empfehlung: Wer nicht auf seinen Holzkohlengrill verzichten möchte, sollte zu Rauchverminderung Aluminium verwenden. Dies gibt es für Grillfreunde in zahlreichen Ausführungen: als Folie, Schalen usw.

Lärmschutz
Bei der abendlichen Grillparty sollte auf die Lautstärke und die Ruhezeiten geachtet werden. Das OLG Oldenburg (13 U 53/02) sieht es als angemessen an, dass Grillfreunden viermal im Jahr bis Mitternacht draußen grillen dürfen. Auch hier wies das OLG daraufhin, dass auf Lautstärke und Ruhezeiten zu achten ist.

Um rechtlichen Streitigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen, empfiehlt es sich miteinander zu reden, Nachbarn zu fragen oder diese direkt zum gemeinsamen Grillabend einzuladen!

Wir wünschen jedenfalls guten Appetit und viel Spaß!

Ihre Rechtsanwälte
Schlegel, Fischer & Partner
Lucas Prandi, stud. iur. Mitarbeiter