Durch die Gruppenphase der WM gebissen!

Dies hat sich wohl der uruguayische Nationalspieler Luis Suárez gedacht, als er seinen italienischen Gegenspieler während des gestrigen, letzten Gruppenspiels die Zähne in die Schulter stieß. Eine „Rote Karte" gab es hierfür erstaunlicher Weise nicht.

Doch wie ist dies generell zu bewerten? Kommt man auf dem Fußballplatz generell bei jedem Foul ungeschoren davon oder drohen auch hier strafrechtliche Sanktionen oder zivilrechtliche Ansprüche?

Aus aktuellem Anlass möchten wir uns diesem Thema widmen.

Der Fußball gilt im Sinne der staatlichen Rechtsprechung als "Kampfspiel". Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) fordert somit, anders als im privaten Leben, als Voraussetzung für die Haftung aufgrund von Verletzungen beim Fußball einen schuldhaften Regelverstoß, der zur Verletzung führt.

Hierbei ist zwischen Unfairness und gebotener Härte des Sports abzugrenzen.

Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass beim Fußball alle Beteiligten einvernehmlich einen mit üblicherweise auch hartem körperlichem Einsatz geführten Wettkampf betreiben. Die Gefahr von Verletzungen ist den Spielern daher bekannt und wird sozusagen billigend in Kauf genommen.

Seine Grenzen findet dies jedoch, wenn die sportliche Härte in Unfairness oder gar Gewalt umschlägt. Dann kommt eine Haftung des Spielers in jedem Fall in Frage.
Dies betrifft nicht nur Tätlichkeiten, sondern auch besonders grobe Foulspiele, bei denen das Ziel, den Ball zu spielen, von Vornherein nicht zu erkennen ist.
Die Haftung des Spielers ist dabei auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt.

Die Frage, ob eine Regelüberschreitung vorliegt, kann nur die ordentliche Gerichtsbarkeit entscheiden. Eine getroffene oder fehlende Schiedsrichterentscheidung stellt lediglich ein Indiz für die Entscheidung des Gerichts dar.
Hat also ein Schiedsrichter eine Tätlichkeit oder einen Übergriff nicht gesehen und somit nicht geahndet, so bietet dies keine Sicherheit dafür, dass etwa ein Faustschlag hinter dem Rücken des Schiedsrichters oder gar ein Biss in die Schulter nicht doch zum Schadensersatz vor einem ordentlichen Gericht führen kann.

Im Fall Suárez werden die TV-Bilder ihr Übriges dazu beitragen. Da diese im Amateur-Bereich nicht existieren, kommt es in diesen Fällen immer wieder auf die Aussagen von Zeugen, egal ob Mitspielern, Trainern oder Zuschauern an.

Je nach Verletzungsbild können hier beachtliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen entstehen. Ebenso droht je nach Vergehen eine strafrechtliche Verurteilung wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung. Der Biss von Suárez wäre nach deutschem Recht als vorsätzliche Körperverletzung einzuordnen.

Insofern ist festzuhalten, dass eine aus dem Fußballspiel resultierende Überreaktion durchaus drastische Folgen nach sich ziehen kann.

Eine Sperre durch den Fußballverband, wie sie Suárez drohen dürfte, stellt im Hinblick auf drohende strafrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen für einen Amateurfußballer nur das geringste Übel dar.

Insoweit sollte man sich als Fußballer möglicherweise öfter mal auf die Zunge „beißen", um eine Überreaktion zu vermeiden, die schlussendlich auch dem schönen Fußballsport schadet.

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